Nachhaltigkeit im Badezimmer (15/16)

Podcast

Wie können wir unsere Badezimmer nachhaltiger und vor allem wasserneutraler gestalten?

 Ein Gespräch mit Christoph Laudon, Mitbegründer von „Hydrophil“ in Hamburg.

Lesedauer: 18 Minuten
Christoph Laudon, Hydrophil

Das sechste Nachhaltigkeitsziel der Agenda 2030 lautet „Ausreichend Wasser in bester Qualität“. Aus diesem Interesse heraus entstand 2013 in Hamburg das Startup „Hydrophil“, die Marke für innovative nachhaltige Hygieneprodukte. Damals waren sie Pioniere der Bambuszahnbürste, heute geht es um viel mehr: die Produktion eines nachhaltigen Komplettsortiments für das ganze Badezimmer - wasserneutral, vegan und fair. Ihre Mission: Mit ihren Produkten Menschen im Alltag zu einem nachhaltigeren Konsum zu verhelfen.

Podcast mit:

  • Christoph Laudon, Hydrophil

  • Dörte Fiedler, Audiokollektiv im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg

 

Diese Podcastreihe wurde im Rahmen des Verbundprojektes„Wirtschaften mit Zukunft“ konzipiert: https://www.boell.de/de/wirtschaften-mit-zukunft 

 

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Shownotes:

HBS Hamburg: https://boell-hamburg.de/de 

Hydrophil : https://hydrophil.com/ 

Viva con Agua: https://www.vivaconagua.org 

Eco Group: https://www.group.eco/

Transkript:

Intro: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Reihe „Böll Regional“, in der wir euch Projekte aus verschiedenen Bundesländern vorstellen. Diese Staffel dreht sich um die Frage nach einem Wirtschaften mit Zukunft. Wir werden dabei Projekte und Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen präsentieren, die uns Wege zu einem nachhaltigen Wirtschaften zeigen.

 

Dörte Fiedler: Hallo, ich bin Dörte Fiedler vom Audiokollektiv und die heutige Folge „Böll Regional“ produzieren wir in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Hamburg. Wir sprechen heute nicht direkt mit unserem Gesprächspartner, sondern ich sitze in Berlin und Christoph Laudon von der Marke „Hydrophil*“ sitzt in Hamburg. Hallo Christoph, schön, dass es geklappt hat.

 

Christoph Laudon: Ja moin, das freut mich auch sehr, schön hier zu sein.

 

Dörte Fiedler: Gut, wenn man jetzt die Marke Hydrophil* nachschaut im Netz, dann findet man ganz schnell so aussagen wie „die Pioniere der Bambus-Zahnbürste“ und ihr wart ja mit eurem Start-Up 2013 tatsächlich die ersten auf dem deutschen Markt, oder?

 

Christoph Laudon: Genau, das ist richtig.

 

Dörte Fiedler: Und damals noch unter dem Namen „Wasserneutral“.

 

Christoph Laudon: Genau. Also unter dem Claiming - wir hatten damals alle Produkte, auch unter dem Claiming – „Wasserneutral, vegan, fair“. Aber die Firma dahinter, die wir auch gegründet haben als Start-Up, hieß auch „Wasserneutral GmbH“.

 

Dörte Fiedler: Alles klar. Und vielleicht kannst du dich kannst du dich kurz nochmal vorstellen und erzählen, was Hydrophil* denn ist, und was ihr macht, und ein bisschen was auch zur Vorgeschichte erzählen? Also auch ein bisschen über die Bedürfnisse, die euch zu der Idee dieser Firmengründung geführt haben.

 

Christoph Laudon: Ja, gerne. Also ich bin Christoph, bin einer der drei Gründer von Hydrophil*. Bei der Gründung waren wir zu dritt und wir haben uns über den Kontext von „Viva con Agua“ kennengelernt. Viva con Agua ist eine NGO aus Hamburg, die sich hauptsächlich mit dem Thema Wasser auseinandersetzt, also damals primär um Trinkwasser für alle Menschen. Und da haben wir drei Gründer uns damals kennengelernt. Ich weiß ehrlicherweise nicht mehr genau, wann. Es war relativ kurz nach der Gründung von Viva con Agua und hatten dann schon ein bisschen einen gemeinsamen Nenner, sag ich mal. Also dadurch, dass wir bei Viva con Agua tätig waren, und dieses Thema Wasser an sich schon super spannend fanden und die ganzen Komponenten, die damit zusammenhängen, das sind ja ganz viele verschiedene Dinge – Also: wer hat Zugang zu Wasser? Wie sauber ist das Wasser, wenn das Wasser nicht aus dem Hahn kommt? Wer geht zum Brunnen und holt es? Das sind ja ganz viele verschiedene Faktoren. Das fand mit drei damals sehr, sehr spannend und haben uns tatsächlich dann auch privat mehr und mehr mit dem Thema auseinandergesetzt und haben dann irgendwann festgestellt, dass das Thema Wasser bei Zugänglichkeit und Trinkwasser ja überhaupt nicht aufhört, sondern auch bis in Produkte hinein strahlt. Also das heißt, wir haben uns ein bisschen damit auseinandergesetzt oder darüber diskutiert, wie viel Wasser eigentlich Produkte verbrauchen und wo Produkte, die wir täglich nutzen, einen Impact haben auf das Thema Wasser.

 

Dörte Fiedler: Okay, also eigentlich eher so von hintenrum seid ihr darangekommen, dann Produktdesigner zu werden? Das ist ja gar nicht euer vordergründiger Fokus gewesen am Anfang.

 

Christoph Laudon: Nee, gar nicht. Tatsächlich. Also wir haben verschiedene Kompetenzen sozusagen mit an einen Tisch gebracht. Ich bin eigentlich gelernter Erzieher. Der andere Mitgründer ist Sozialpädagoge und der dritte von uns ein klassischer BWLer. Das heißt, mit dem Thema Produkte an sich hatten wir gar nicht so viel am Hut. Das, was uns aber zugute kam, war auf jeden Fall, dass wir Lust hatten, das auszuprobieren und zu gucken: Wie können wir es besser machen und was, was können wir machen, was bisher noch nicht gemacht wurde? Und damals war es so, 2013, dass ich noch so eine kleine T-Shirt Brand hatte. Wo wir auch schon, ich sag jetzt mal für die damalige Zeit, relativ nachhaltige T-Shirts gemacht haben. Die waren Fairtrade zertifiziert, wir haben nicht in Plastik verpackt und solche Sachen. Aber wir haben noch nie irgendein Produkt gemacht, was mit dem Thema Wasser zu tun hatte. Und genau im Endeffekt saßen wir zusammen in der Kneipe, wir drei Gründer. Dann haben wir gesagt okay, wir reden die ganze Zeit darüber, wie viel irgendwelche Produkte an Wasser verbrauchen oder wo sie einen negativen Impact haben, und haben dann gesagt okay, dann lasst uns doch einfach mal ein T-Shirt machen, weil du sitzt da und machst eh T-Shirts, lass uns mal ein T-Shirt machen und das ausprobieren, wie wir das irgendwie hinkriegen können, damit das halt besser ist als regulär.

 

Dörte Fiedler: Und dann habt ihr das T-Shirt gemacht, aber vom T-Shirt zur Zahnbürste ist ja jetzt noch nicht so ganz der logische Weg.

 

Christoph Laudon: Nee, ist noch nicht so der logische Weg, tatsächlich. Aber wir haben gemerkt zum einen, dass es funktioniert und zum anderen auch, dass uns das Spaß macht, ehrlicherweise. Und dann haben wir weiter überlegt, auch mit ein bisschen Nachfrage. Also wir reden da jetzt nicht über viele T-Shirts oder so, aber wir haben halt schon gemerkt, dass das Thema interessant ist und haben dann immer weiter darüber nachgedacht, welche Produkte wir noch noch machen könnten, die ja einen ähnlichen Punkt haben. Also gerade im Sinne von Wasser sind wir relativ schnell im Badezimmer gelandet und haben gesagt okay, im Badezimmer gibt es super viele Produkte, die auch echt nah an den Nutzer*innen dran sind. Und irgendwie auch irgendwie intim sind. Also eine Seife nimmst du zum Waschen, Zahnbürste zum Zähneputzen, und wir haben gesagt, dass das ein gutes Spielfeld für uns ist. Also so wirklich im Badezimmer, wo Wasser ganz, ganz dicht dran ist und wo die Produkte auch nah am Körper sind, dass wir das Themenfeld angreifen wollen. So sind wir letztendlich bei der Zahnbürste gelandet als erstes Produkt, weil wir gesagt haben, dass das einfach ein Verbrauchsprodukt ist, was überall ist. Also auch ohne Schwelle benutzt wird. Und haben wir gesagt, okay, das gucken wir uns als erstes an, lass uns angucken, wie wir das irgendwie besser machen können.

 

Dörte Fiedler: Und da war aber der Faktor Plastik und Wasserverschmutzung durch Mikroplastik und Plastik überhaupt gar nicht so sehr im Vordergrund?

 

Christoph Laudon: Das war damals noch gar nicht so im Vordergrund, eher als Aspekt von Wasser mit. Also über Wasserverschmutzung, über Plastikteilchen und was mit dem Produkt passiert, wenn das verwertet wird oder nicht verwendet wird. Also es war eher so eine indirekte Folge von dem, was wir eigentlich vorhatten mit dem Fokus auf Wasser.

 

Dörte Fiedler: Aber ihr wolltet schon schauen, dass quasi in dem Ablauf, indem Produktionszyklus, so wenig wie möglich Wasser verbraucht wird - oder was war denn dann das genaue Ziel?

 

Christoph Laudon: Genau. Also ging uns einmal darum. Wobei es uns nach wie vor darum geht, dass wir in dem Anbau der Rohstoffe, die wir brauchen, möglichst wenig Wasser verbrauchen, und dann auch in der Produktion möglichst wenig Wasser verschmutzen. Also wenn man sich das jetzt zum Beispiel anguckt bei Bambus, da werden keine Pestizide benutzt, da muss nicht künstlich gewässert werden. Das heißt, wir haben da relativ wenig Verbrauch an sich und wir haben auch wenig Verschmutzung und dann aber auch im Laufe des Lebenszyklus des Produktes, wenn man sich jetzt die Zahnbürsten anguckt. Als Beispiel geht es natürlich auch darum, dass wenn die Zahnbürste entsorgt ist, also wenn das Leben der Zahnbürste vorbei ist, dass dann auch wieder wenig Wasser verschmutzt wird. Und da ist natürlich Plastik ein großes Problem.

 

Dörte Fiedler: Erzähl doch mal weiter, das war dann alles ungefähr 2013 oder das Jahr darauf noch. Sehe ich das richtig?

 

Christoph Laudon: Ja, genau.

 

Dörte Fiedler: Und dann, wie ging es denn dann weiter? Ihr seid ja schon relativ schnell gewachsen, hattet Unterstützer und Mitstreiterinnen und konntet dann Leute einstellen usw. und auch noch weitere Produkte entwickeln. Oder hat das alles länger gedauert?

 

Christoph Laudon: Nee, das ging eigentlich relativ schnell. Also wir hatten das Glück, dass wir gerade zum Start in verschiedene Trendthemen auch mit reingefallen sind. Das heißt, wir hatten auch als einen der Grundsätze, das habe ich eingangs, glaube ich, auch schon gesagt: Wir haben alles als vegan deklariert und wir machen auch alles vegan und wir hatten sehr viel Glück, dass das in die Phase des veganen Booms mit hineingefallen ist. Auch so ein bisschen unabsichtlich ehrlicherweise von uns, weil das für uns so eine Selbstverständlichkeit war, dass, wenn wir ein sauberes Produkt machen wollen, dass da kein Tierleid produziert werden soll. Und sind dadurch auf jeden Fall medial auch sehr gut aufgenommen worden, haben viel positives Feedback bekommen. Und danach hat sich das natürlich alles irgendwie ein bisschen verselbstständigt mit dem Plastikfrei-Boom oder Nachfrage von plastikfreien Produkten. Und wir sind dann tatsächlich über die Jahre ziemlich schnell sehr groß gewachsen. Primär haben wir immer direkt an Endkund*innen verkauft, also direkt über unseren Onlineshop oder Plattform. Aber wir waren auch relativ schnell im Handel selber, also primär im Bio-Handel, dann aber auch zum Beispiel bei Budnikowsky in Hamburg in der Drogerie. Ich glaube, da sind wir seit 2014 in der Drogerie in Hamburg.

 

Dörte Fiedler: Und die Verbraucher*innen haben sozusagen auch sofort positiv reagiert auf das Produkt, also um noch mal über die Bambus Zahnbürste zu sprechen.

 

Christoph Laudon: Ja, es hat ehrlicherweise auch ein bisschen gedauert, wobei die Verbraucher*innen da offener waren als der Handel an sich. Da wurden wir manchmal ein bisschen komisch angeguckt am Anfang. Weil wir genau die Ersten waren, die das Produkt hier auf den Markt gebracht haben, in der Form. Und dann ist es natürlich schon oft, dass es halt viel zu verrückt ist, dafür, dass es jemand im Laden kauft. Das war auf jeden Fall so ein bisschen eine Hürde. Das hat sich aber sehr, sehr schnell gegeben. Und jetzt sieht man ja auch das Ergebnis zum Glück, dass halt einfach jede Drogerie und auch jeder, jeder Fachhandel, jeder Bio-Handel, dass es halt verschiedene Anbieter gibt von Bambus Zahnbürsten oder von plastikfreien Zahnbürsten.

 

Dörte Fiedler: Und wie habt ihr das gemacht am Anfang, dass ihr sozusagen gewährleisten konntet, dass jetzt innerhalb der ganzen Lieferkette, die nötig war, wirklich die Bedingungen herrschen, die ihr euch vorgestellt hattet? Weil zum Beispiel, Bambus wird ja hier noch nicht angebaut oder?

 

Christoph Laudon: Genau das ist auf jeden Fall ein großes Thema bei uns gewesen. Wir haben das so gemacht, dass wir regelmäßig in der Region waren, in der wir in China produziert haben, also nur die Bambus Produkte. Alles andere, was Sinn ergibt, hier zu produzieren, produzieren wir möglichst regional. Bei Bambus ist das natürlich noch ein bisschen schwierig. Ich hoffe eigentlich auch, dass es so bleibt. Aber wer weiß, was der Klimawandel so tut? Genau. Wir haben das aber so gemacht, dass wir tatsächlich regelmäßig vor Ort waren und uns sozusagen auch alles so gut wie es ging, selber angeguckt haben und auch mit den Leuten vor Ort versucht haben, dann zum Beispiel neue Lösungen zu entwickeln, die für die Leute auch praktisch sind. Und es hat ehrlicherweise bisher immer ziemlich gut funktioniert, weil wir gerade bei der Produktion in China von den Bambusprodukten sehr viel auf Augenhöhe machen konnten und auch sehr viel Offenheit dafür da war, Sachen zu verändern.

 

Dörte Fiedler: Okay, vielleicht können wir noch ein bisschen weitergehen. Im Grunde genommen ist es ja wirklich eine ziemliche Erfolgsgeschichte eures kleinen Start-Ups, und dann gab es aber auch Rückschläge in den letzten Jahren. Vielleicht magst du ganz kurz mal erzählen, wie das eigentlich zustande kam.

 

Christoph Laudon: Also im Endeffekt haben wir mit der Covid Pandemie sehr stark in Bedrängnis und auch mit der Veränderung des Marktes. Also wir haben ja zum einen sehr, sehr viele Mitbewerber*innen bekommen, die ähnliche Produkte auf den Markt gebracht haben, auch teilweise mit anderen Preispunkten. Wir sind da ja schon ein bisschen, ich will jetzt nicht sagen selbstverliebt, aber versuchen halt auch immer alles super, super richtig zu machen. Und das sind ja auch Sachen, auf die halt manchmal andere Leute verzichten, die ein ehrliches Produkt machen und die dann natürlich auch mit einem anderen Preispunkt in den Markt gehen können.

 

Dörte Fiedler: Was meinst du da kannst du mal ein Beispiel nennen.

 

Christoph Laudon: Dinge, die wir getan haben, die sich natürlich auf den Preis niederschlagen, sind zum Beispiel die ganzen Produktionsbesuche, die wir gemacht haben. Wir hatten immer einen Film gemacht, haben quasi dokumentarisch darüber gedreht, wie unsere Produkte gefertigt werden. Wir haben aber auch zum Beispiel Lacke aus Deutschland von dem größten Naturlack-Pionier in Deutschland, eigentlich, von Auro verwendet haben, die natürlich auch ihren Preis kosten. Und dann ist bei uns zum Beispiel auch noch so ein Punkt, dass wir einen runden Griff haben, der relativ dick und hochwertig ist und den kleben wir nicht. Also es gäbe auch zum Beispiel die Möglichkeit zu sagen, okay, wir kleben halt den Griff, nehmen zwei Lamellen aus Bambus, legen sie übereinander, um den großen runden Griff zu kriegen. Das wollen wir nicht machen, weil das aus unserer Sicht nicht korrekt ist, da irgendwelche Klebstoffe oder Leime einzusetzen. Das bedeutet für uns aber auch wir können für unsere Produkte nur bestimmten Bambus benutzen, der besonders dick ist. Das sind halt einfach alles so Sachen, die irgendwie dann auf den Preis einschlagen. Genau.

 

Dörte Fiedler: Und das hat dann praktisch mit dazu geführt, dass ihr in Probleme gekommen seid mit der Firma.

 

Christoph Laudon: Zum einen das. Also auf jeden Fall, dass der Wettbewerb wesentlich größer wurde und aber auch tatsächlich, dass das Kaufverhalten der Leute sich verändert hat. Also während Covid war es ja tatsächlich so, dass viele Leute dann so zum one-stop-shopping übergegangen sind. Das heißt, du bist dann irgendwie mit im schlimmsten Fall mit einem Auto zum großen Supermarkt gefahren, wo dann nebenan gleich ein großer Drogeriemarkt war. Und dann hast du halt quasi in einem Stopp alles gekauft. Und das hat vor allem auch uns getroffen, weil wir sehr breit aufgestellt waren im Fachhandel, also im Bio-Handel. Und die haben zwar auch am Anfang davon profitiert von Covid, aber hauptsächlich von Lebensmitteln und halt nicht bei den Wartwaren wo drunter wir fallen mit Zahnbürsten und co. Genau. Und was halt tatsächlich bei uns noch ein großes Problem war, dass wir ziemlich gut aufgestellt waren im Ausland, im europäischen Ausland, da aber auch in Regionen, die besonders hart von Corona getroffen worden sind. Das war bei uns auf jeden Fall auch ein negativer Faktor.

 

Dörte Fiedler: Und dann seid ihr so ganz Richtung Insolvenz gefallen.

 

Christoph Laudon: Geschlittert, würde ich eher sagen.

 

Dörte Fiedler: Und wie habt ihr das jetzt abgewendet? Weil ihr habt es ja irgendwie hingekriegt.

 

Christoph Laudon: Genau, wir haben das nicht in Gänze abgewendet. Aber wir haben das große Glück, seit fast genau einem Jahr uns einer Gruppe anschließen zu können - der Eco Group - die wir tatsächlich auch vorher schon kannten. Die eigentlich genau das gleiche Ziel haben wie wir, das halt teilweise ein bisschen anders angegangen wird, zum Glück. Die aber auch tatsächlich Alltagsgegenstände machen wollen, die nachhaltig sind, die einen klaren grünen Fokus haben und aber auch möglichst viele Verbraucher*innen ansprechen wollen. Im Endeffekt ist es ein Dach von grünen Marken, wo wir aber auch gucken, dass wir Synergien weiter nutzen und uns im Endeffekt gegenseitig auch unterstützen und wir natürlich als viele kleinere bis mittelgroße Marken dadurch auch wesentlich stärker aufgestellt sind.

 

Dörte Fiedler: Okay, jetzt seid ihr sozusagen durch diese Krise durchgegangen und habt einen Weg gefunden, euch wieder aufzustellen. Was habt ihr denn für eine Vision, wenn ihr heute euch eure Firma anschaut? Was sind die Hauptziele? Was wären Wünsche und Anliegen, die ihr habt, für die Zukunft?

 

Christoph Laudon: Grundsätzlich würde ich mir tatsächlich wünschen, das habe ich aus dieser ganzen Covid Zeit sehr mitgenommen, dass es zum einen mehr Förderungen und auch nachhaltige Förderungen gibt. Natürlich vom Staat und von Kommunen für kleinere Unternehmen und Start-Ups und gerade so junge, nachhaltige Ideen, weil das gerade jetzt auch im Konsumklima relativ schwierig ist für so Marken wie unsere. Dann ist es natürlich so, dass wir weiterhin mit unseren Produkten wie Viva con Aqua unterstützen wollen, dass ist immer noch ein großes persönliches Anliegen. Natürlich wollen wir auch weiterhin dafür sorgen, dass weniger Plastik irgendwo landet oder überhaupt produziert wird. Und dann ist es natürlich auch so, dass wir nach wie vor und jetzt vielleicht sogar noch ein bisschen mehr versuchen wollen, sanften, nett gemeinten - manchmal auch nicht ganz so nett gemeinten - Druck auszuüben auf die großen Player, die es auf dem Markt gibt, weil das natürlich total toll ist, wenn wir als kleinere Brands irgendwie auf Plastikverpackungen verzichten oder keine Plastikzahnbürste anbieten. Aber natürlich die große Änderung und der große Impact gerade durch die großen Player wie Procter & Gamble, Danone, Nestlé und Co passiert. Die haben den größten Impact und den größten Hebel. Aber natürlich wollen wir die auch dazu bewegen und sie vielleicht auch manchmal ein bisschen dazu zu zwingen, dass sie sich mehr bewegen, weil ihr Hebel halt wesentlich größer ist. Und das wäre natürlich unsere Vision, dass da, wo wirklich was richtig, richtig viel geändert werden kann, das auch passiert.

 

Dörte Fiedler: Und meine letzte Frage: Worin besteht denn für euch euer Beitrag jetzt schon oder auch in der Vergangenheit oder auch in Zukunft zu einem Wirtschaften mit Zukunft?

 

Christoph Laudon: Ich glaube, unser wichtigster Beitrag muss man tatsächlich gucken, dass es quasi auf zwei Ebenen ist. Ich glaube, dass es super wichtig ist, dass wir weiterhin gute Produkte rausbringen und auch gute Läden supporten. Also genau so was wie den wie den Bio-Handel, was ja per se schon ein zukunftsträchtiges Modell ist und auch ein nachhaltigeres Modell. Und dann glaube ich aber auch, dass es für uns ein großer, wichtiger Faktor ist, dass wir es auch schaffen, intern so eine Idee und so ein Start-Up eigentlich, was es mal war, langfristig auf die Straße zu kriegen und dann auch tatsächlich nachhaltige Maßnahmen intern - also wie wollen wir zusammenarbeiten? Wie gehen wir auch mit Leuten um, die bei uns in der Lieferkette hängen? Also dass wir da auch keine schlechten Arbeitsbedingungen wollen und das auch grundsätzlich ablehnen. Und ich glaube, das ist auch ein elementarer Anteil von dem, wie wir uns Wirtschaften vorstellen, dass es möglichst viele kleine Schritte nach unten geht und wir in den Produkten das auch bewerkstelligen können, dass jeder in der Lieferkette daran partizipieren kann und davon einen Vorteil hat, dass wir es tun.

 

Dörte Fiedler: Okay, ich würde noch eine letzte Frage stellen wollen. Und zwar, wenn jetzt jemand auf euch zukommen würde mit einem ähnlichen oder einem Projekt, was sozusagen in dieses Spektrum von nachhaltigen Konsumgütern fällt, was würdet ihr denn dieser Gruppe oder dieser Person mit auf den Weg geben, nachdem was ihr jetzt auch erfahren habt über die letzten zehn Jahre, was ja schon so ein bisschen auf und ab und von verschiedenen Erfahrungen geprägt war.

 

Christoph Laudon: Ich würde auf jeden Fall mit auf den Weg geben, dass man es machen soll. Also am Ende des Tages bringt es nicht super viel rumzuüberlegen. Also viele Sachen sind eh nicht beeinflussbar und ich glaube das Wichtigste ist, da auch erstmal mit anzufangen und sich auszuprobieren. In das meiste wächst man tatsächlich auch rein. Wie gesagt, wir sind jetzt auch nicht die klassischen Gründer vorher gewesen, die an irgendeiner Uni saßen und in irgendwelchen Vorlesungen oder Thinktanks sich überlegt haben, was die tolle, neueste Idee ist. Ich glaube, wenn man eine Passion für irgendwas hat und der Meinung ist, dass es eine gute Idee ist, dann sollte man es auf jeden Fall ausprobieren.

Dörte Fiedler: Okay, das war doch ein gutes Schlusswort. Dann würde ich sagen, danke dir für das Gespräch.

Christoph Laudon: Sehr gerne.

Dörte Fiedler: Ciao.

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