DOK.horizonte Preis

Seit 2016 stiftet die Petra-Kelly-Stiftung den DOK.horizonte. Der Preis geht an politische Filme, die aus Ländern im Umbruch kommen bzw. die jeweilige Situation vor Ort schildern. Hier finden Sie Informationen zu den Filmen, die den Preis seit 2016 gewonnen haben.

DOK.fest Preisverleihung 2024 mit Menschen vor der DOK.fest Wand

Aktuelle Informationen zum DOK.horizonte Preis finden Sie auf der Webseite des DOK.festes.

DOK.fest: Preisverleihung 2024

KAMAY
Belgien, Deutschland, Frankreich 2024 – Regie: Ilyas Yourish, Shahrokh Bikaran – Originalfassung: Andere – Untertitel: Ohne

Zum Inhalt des Gewinnerfilms: Der afghanische König Abdur Rahman Khan eroberte um das Jahr 1890 das Gebiet der Hazara. Um deren Widerstand zu brechen, massakrierte er über die Hälfte der Bevölkerung und versklavte die Überlebenden. Die Diskriminierung der Hazara dauert an, nur Bildung verspricht sozialen Aufstieg. Für ihr Studium ging auch Zahra nach Kabul. Im November 2017 vergiftete sie sich. Freshta, ihre jüngere Schwester, erzählt mit bewegter Stimme und begleitet von Bildern einer monumentalen Seelenlandschaft von der Trauer der Familie und dem Rechtsstreit der Eltern gegen einen Professor, der Zahra schikanierte und ihren Abschluss vereitelte. Vier Jahre lang beobachtet KAMAY die Familie auf dem gefährlichen Weg zwischen Kabul und den Bergen, während die Bedrohung durch die Taliban stetig zunimmt.

Aus der Jurybegründung: „Wir möchten eine Geschichte auszeichnen, die so noch nie erzählt wurde. Eine Geschichte, die erschütternde Erfahrungen einer Familie und gleichzeitig das Schicksal einer ganzen ethnischen Gruppe beleuchtet. Die Filmemacher führen in KAMAY die Zuschauer*innen behutsam durch die Trauer einer Familie – und legen zugleich die Ursprünge jahrhundertelanger Unterdrückung offen. Die Regisseure, Iyas Yourish und Shahrokh Bikaran, finden eine einzigartige Bildsprache, um die Kultur der Hazara filmisch darzustellen und ihren Stimmen auf einfühlsame und poetische Weise Gehör zu verschaffen. Wir finden es bemerkenswert, wie die Regisseure mit dem sensiblen Thema und ihren Protagonist*innen umgehen und wie mutig sie die Probleme thematisieren, deretwegen die Protagonist*innen keine Gerechtigkeit für ihre Tochter erlangen können. Wir hoffen, dass der Film dazu beitragen wird, das Bewusstsein für die aktuelle Situation in Afghanistan zu schärfen und den Stimmen der Geflüchteten aus der Region mehr Aufmerksamkeit und Raum zu geben. Herzlichen Glückwunsch!“

Ilyas Yourish und Shahrokh Bikaran

Die Filmemacher Ilyas Yourish und Shahrokh Bikaran sind Hazara aus Afghanistan. Ilyas studierte an der Kabul-Universität Journalismus und arbeitet seit 2011 als Multimediajournalist für Fernsehshows und Filmprojekte. Seit 2021 lebt er in Brüssel. Shahrokh schloss 2016 an der Teheran Film School sein Regiestudium ab. Beide haben im Filmteam an KABUL, CITY IN THE WIND (2018) mitgewirkt. KAMAY ist für beide ihr Debütfilm.

Trailer | Kamay | Shahrokh Bikaran, Ilyas Yourish - visionsdureel

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DOK.fest: Preisverleihung 2023

LE SPECTRE DE BOKO HARAM

Frankreich, Kamerun 2023 – Regie: Cyrielle Raingou – Originalfassung: Französisch, Haussa – Untertitel: Englisch

Zum Inhalt des Gewinnerfilms: „Mama, erzähl mir, wie die Bombe meinen Vater tötete“, bittet Falta ihre Mutter in dem Dorf Kolofata in Nordkamerun. Die Region an der Grenze zu Nigeria wird seit Jahren von der Terrororganisation Boko Haram heimgesucht. Mit ihrem Debutfilm zeichnet die Filmemacherin Cyrielle Raingou, die selbst aus dieser Gegend stammt, ein ebenso zartes wie starkes Porträt einer Gruppe von Kindern in der Krisenregion. In dem von Soldaten bewachten Ort begleitet Raingou die Kinder auf dem Weg zur Schule – unter Gewehrsalven in der Ferne. Mit der Kamera begibt sie sich auf ihre Augenhöhe und findet so im ambivalenten Alltag der Kinder zwischen Trauer und Fröhlichkeit, Trauma und kindlicher Unbeschwertheit die Schönheit und Würde der jungen Menschen. 

Aus der Jurybegründung: „Selten offenbaren sich auf den ersten Blick die Narben, die bewaffnete Konflikte bei den davon betroffenen Menschen hinterlassen. Doch wie kommen diese Wunden zum Vorschein, welche Ausdrucks- und Sprachformen nehmen sie an? Und wie verkraften gerade Kinder Erlebnisse, die so traumatisch sind, dass sie kaum zu begreifen sind? Cyrielle Raingou fängt in ihrem Debüt-Werk die verheerenden Auswirkungen des militärischen Konflikts mit der islamistischen Boko Haram in ihrem Heimatland Kamerun ein und verleiht dem Unaussprechlichen einen filmischen Ausdruck. Wir begleiten Raingous’ junge Protagonist*innen, wie sie in einer Welt groß werden, die geprägt ist von ständiger Gefahr – zugleich aber auch von Vertrauen, Zärtlichkeit und Gemeinschaft.“

Cyrielle Raingou

Cyrielle Raingou studierte Jura und Film in Kamerun. 2018 nimmt sie mit ihrem  Dokumentarfilm-projekt LE CYCLONEUR als Stipendiatin an der ersten DOK.network Africa Residency des DOK.fest München teil. Danach absolviert sie das europäische DOC NOMAD Master Programm für Dokumentarfilmregie. 2023 gewinnt sie mit ihrem ersten langen Dokumentarfilm LE SPECTRE DE BOKO HARAM den Hauptwettbewerb des Internationalen Filmfestivals in Rotterdam.

Filmografie

THE CHALLENGE, 2018, 14 Min.
MOTHER JUST A SMILE, 2023, 18 Min.
LE SPECTRE DE BOKO HARAM, 2023, 75 Min.

Le spectre de Boko Haram – trailer | IFFR 2023 - International Film Festival Rotterdam

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Hier geht's noch zur Filmdiskussion mit der Regisseurin:

LE SPECTRE DE BOKO HARAM I Film Talk with Cyrielle Raingou I DOK.fest 2023 - DOK.fest München

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DOK.fest: Preisverleihung 2022

NO SIMPLE WAY HOME

Kenia, Südafrika 2022 – Regie: Akuol de Mabior – Originalfassung: Arabisch, Englisch – Untertitel: Englisch

Aus der Jurybegründung: „Was geschieht, wenn der Krieg einmal vorbei ist? Wie kann man das Land wieder aufbauen? Welche Führungspersönlichkeiten sind dazu fähig? In einer Gegend, die seit Jahrzehnten von Bürgerkriegen heimgesucht wird, sprießen dennoch Hoffnungsblüten. Die Jury war vor allem von der positiven und pragmatischen Art der Protagonistin inspiriert, die sich trotz aller Widrigkeiten ihrer Aufgabe stellt. NO SIMPLE WAY HOME von Akuol de Mabior erzählt in seiner sehr direkten Art die Geschichte um die Führerschaft im Südsudan und zugleich auch eine Familiengeschichte mit einer starken Mutter-Tochter-Beziehung.“
 

Zum Inhalt des Gewinnerfilms: Ihre Familiengeschichte ist untrennbar mit der Geschichte ihres Landes verbunden, auch wenn sie selbst noch nie dort gelebt hat: Regisseurin Akuol de Mabior begibt sich auf die Suche nach ihrer Heimat, dem Südsudan. Ihr Vater John Garang de Mabior gründete 1983 die Sudanesische Volksbefreiungsarmee. Nach über 20 Jahren Freiheitskampf stirbt er 2005 als Vizepräsident des Sudan bei einem Hubschrauberabsturz. Die Mutter Rebecca Nyandeng de Mabior kämpft für das Vermächtnis ihres Mannes: 2020 wird sie zu einer der fünf Vize-Präsident.innen der jungen Nation gewählt. Sie will das Land zu einem lebenswerten Ort machen – doch die politische Realität sieht anders aus: „It looks like there is no peace on the other side of freedom“, bilanziert sie.

Produktion: STEPS/LBx Africa, ARTE France. Produzent.in: Don Edkins. Länge: 85 min. Vertrieb: STEPS.

Keine Jugendfreigabe

Akuol de Mabior

Akuol de Mabior wurde in Kuba geboren und wuchs in Nairobi, Kenia, auf. Die südsudanesische Filmemacherin studierte Film- und Medienproduktion an der University of Capetown. Ihre Kurzfilme liefen auf zahlreichen Filmfestivals in Südafrika und den USA. NO SIMPLE WAY HOME ist ihr dokumentarisches Langfilmdebüt.

Filmografie

TOMATO SOUP, ZA 2017
IHLAZO, ZA 2017
FALL INTO THE SKY, ZA 2018

NO SIMPLE WAY HOME I Dokumentarfilm Teaser I DOK.fest 2022 - DOK.fest München

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DOK.fest: Preisverleihung 2021

Auch dieses Jahr stiftet die Petra-Kelly-Stiftung wieder den Preis DOK.horizonte, der mit 5000 € dotiert ist. Die Filme des Wettbewerbs erzählen aus Ländern im Umbruch. Aufgrund der Corona-Pandemie fand das Festival erneut Online statt.

THINGS WE DARE NOT DO

Mexico 2020 – Regie: Bruno Santamaría - 75 min.

Jurybegründung: Inmitten der Gewalt des Erwachsenenlebens in der Gemeinschaft zeigt der Film die Welt der Kinder voller Wunder und Freude. Die Jury war fasziniert vom zarten und fürsorglichen Blick des Filmemachers auf seine Hauptfiguren. In täglichen Ritualen und ihrem tiefen existenziellen Erwachen begegnen die Jugendlichen den herzzerreißenden Realitäten des Lebens mit unglaublichem Mut und dem tiefen Wunsch, tatsächlich zu wagen, sie selbst zu sein. Der Film gipfelt in einem atemberaubenden Plädoyer für Akzeptanz und Liebe, das der Jury noch lange nach dem Abspann in Erinnerung blieb. Es war einfach wunderschön. Der VIKTOR DOK.horizonte geht an THINGS WE DARE NOT DO von Bruno Santamaría.

Zum Inhalt des Gewinnerfilms: Wie lebt man als Transgender in einem kleinen Dorf in der mexikanischen Provinz? Arturo – Ñoño – kommt auf den ersten Blick ganz gut zurecht. Vor allem die Kinder lieben sie, denn sie bringt ihnen Choreografien auf dem Dorfplatz bei und entwirft glitzernde Kostüme für sie. Doch ihr Alltag hat noch eine ganz andere Seite, für ihre Identität wird sie beschimpft und ausgegrenzt. Was sie sich am meisten wünscht ist, sich als Frau zu kleiden. Dafür erhofft sie sich auch den Segen der Familie – doch wie um etwas bitten, das überall geächtet wird? „Du bist so mutig", sagt der Regisseur aus dem Off. Ñoño selbst ist sich da nicht so sicher. Ein subtiler, sensibler Film, der mit gekonnter Kameraarbeit ein nahes und authentisches Porträt zeichnet. Samay Claro

Biographie: Bruno Santamaría studierte Communication and Cinematography am Centro de Capacitación Cinematográfica (CCC) in Mexiko. COSAS QUE NO HACEMOS /THINGS WE DARE NOT DO ist sein zweiter langer Dokumentarfilm als Regisseur.

THINGS WE DARE NOT DO | Trailer | 2021 @home - DOK.fest München

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DOK.fest: Preisverleihung 2020

THEY CALL ME BABU

Niederlande 2019 – Regie: Sandra Beerends – Originalfassung: Indonesisch – Untertitel: Englisch

„Mama, I miss you so much,“ so beginnt ein Brief, den Alima an ihre Mutter schreibt. Sie ist eine der unzähligen Indonesierinnen, die im ehemaligen Niederländisch-Ostindien der 1940er Jahre als „Babu” oder Kindermädchen für eine niederländische Familie arbeitet. Alimas fiktive Geschichte, anhand von Archivmaterial erzählt, entfaltet sich vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und dem Unabhängigkeitskampf in Indonesien. Ein bewegtes und bewegendes Zeitdokument und zugleich die Geschichte einer Emanzipation. Monika Haas

Englischer/Originaltitel: ZE NOEMEN ME BABOE. Autor: Sandra Beerends. Ton: Mark Glynne, Tom Bijnen. Schnitt: Ruben van der Hammen. Musik: Alex Simu. Produktion: Pieter van Huystee Film. Produzent: Pieter van Huystee. Länge: 78 min.

Biografie

Die Niederländerin Sandra Beerends ist Drehbuchautorin, Produzentin und Regisseurin von Spiel- und Dokumentarfilmen. Sie arbeitet für den niederländischen TV Sender NTR und betreibt eine eigene Filmproduktionsfirma namens „Beruang“. THEY CALL ME BABU ist ihre erste Arbeit als Regisseurin.

THEY CALL ME BABU | Trailer | 2020 @home - DOK.fest München

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DOK.fest: Preisverleihung 2019

Zum Inhalt des Gewinnersfilm:

ESTÁ TODO BIEN

Deutschland, Venezuela 2018 – Regie: Tuki Jencquel – Originalfassung: Spanisch – Untertitel: Englisch

Venezuela steht durch seine Staatskrise seit Monaten im Fokus der Öffentlichkeit. Bilder der Demonstrationszüge und Straßenschlachten begegnen uns beinahe täglich in den Nachrichten. Die Staatskrise ist dabei schon längst zur humanitären Katastrophe geworden. Es fehlt an Ärzten, Pflegern, vor allem an grundlegenden Medikamenten und Hygieneartikeln. In einem Land, das im Chaos versinkt, nimmt ESTÁ TODO BIEN das Leben von Menschen in den Fokus, deren einziges Ziel das Überleben ist: ein Arzt, der das Land verlassen will, eine Krebspatientin, deren lebenserhaltende Medikamente nicht mehr erhältlich sind, ein selbstloser Medikamentenschmuggler, eine Apothekerin mit leeren Schränken. Im Mikrokosmos dieser Menschen sind es kleine Gesten des Mitgefühls und der Menschlichkeit, die sie weiter hoffen lassen. Pablo Bücheler

Englischer/Originaltitel: IT'S ALL GOOD. Kamera: Tuki Jencquel. Ton: Frank Gonzalez, Marco Salaverría, Thomas Becka. Schnitt: Omar Guzman. Musik: Thomas Becka. Produktion: Orinokia Filmproduktion UG. Produzent: Tuki Jencquel. Länge: 70 min. Vertrieb: MAGNETFILM GmbH. Verleih: déjà-vu film UG.

Tuki Jencquel

Geboren in Caracas, studierte der deutsch-venezolanischer Produzent und Regisseur an der NYU, der Tisch School of the Arts und an der IESA, Venezuela. Er arbeitete viele Jahre als Assistant Director in Film und Werbung.

ESTÁ TODO BIEN - ALLES IST GUT | Trailer deutsch german [HD] - kinofilme

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DOK.fest: Preisverleihung 2018

DEMONS IN PARADISE von Jude Ratnam

Aus der Jurybegründung: "Dieser Debütfilm zeigt die Vielschichtigkeit von ethnischen Konflikten und Bürgerkrieg aus einer sehr persönlichen Perspektive: Der Regisseur bezog seine eigene Familie und ehemalige Nachbarn mit ein, um die Geschichte von Sri Lankas Kampf zu erzählen. Er führt uns zudem die unglaubliche Kraft der Montage vor Augen – aus dem über viele Jahre gesammelten Material entstand eine narrative Struktur, die einen erschütternden Schluss nahelegt: Gewalt ist in jedem von uns."

DEMONS IN PARADISE by Jude Ratnam | Trailer | GeoMovies - Geomovies

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DOK.fest: Preisverleihung 2017

Auch in diesem Jahr stiftete die Petra-Kelly-Stiftung wieder den mit 3000 Euro dotierten VIKTOR DOK.horizonte, der an den Film "Motherland" von Ramona S. Diaz verliehen wurde. Die Jury - bestehend aus: Anna Berthollet (Koordinatorin für Festivals & Non-Theatrical Sales, Taskovski Films), Inti Cordera (Geschäftsführer, DocsMX), Eva Lautenschlager (Abteilung Film, Fernsehen und Radio, Goethe-Institut) - begründete ihre Entscheidung folgendermaßen:

"Ein Film hat uns tief berührt in seiner Annäherung an ein universelles Menschenrechtsthema, mit dem jeder sich identifizieren kann, unabhängig von Gender und kulturellem Hintergrund: Fein ausbalanciert zwischen Thema und  Dokumentarfilmtechnik, führt der Film das Publikum in einen Mikrokosmos ein, der einen umfassenderen Einblick in die philippinische Gesellschaft vermittelt und widerspiegelt, wie Familie und Tradition die Lebensbedingungen von Frauen beeinflussen. Die DOK.horizonte Jury verleiht den diesjährigen VIKTOR an MOTHERLAND von Ramona S. Díaz."

Zum Inhalt:

MOTHERLAND 
USA / Phillipinen 2017 - Regie: Ramona S. Diaz - Originalfassung: filipino / Untertitel: englisch

"Lea ist Anfang 20. Sie wusste gar nicht, dass sie Zwillinge bekommt. Erst als die junge Frau in das Dr. Jose Fabella Memorial Hospital in Manila kommt, stellt sich das heraus. So oft wie möglich muss sie ihre beiden frühgeborenen Babys in einem Tube Top an ihren Körper geschmiegt halten – „Kangaroo Mother Care“ heißt das. Die Mutter ist der Brutkasten – denn für Brutkästen hat die unterfinanzierte Klinik kein Geld. Hier gebären die Ärmsten der Armen, manchmal müssen sie sich dabei ein Bett teilen und können kaum ihre Beine ausstrecken. Doch MOTHERLAND ist keine Elendsbeschau: Ganz nah an Müttern, Krankenhauspersonal und Familienangehörigen ist der Film eine Liebeserklärung an seine Protagonisten – und gewährt gleichzeitig tiefe Einblicke in die philippinische Gesellschaft." (Julia Teichmann)

Eine "lobende Erwähnung" der Jury erhielt zudem der Film "Dead Donkeys Fear No Hyenas" von Joakim Demmer (Schweden/Finnland/Deutschland 2016).

Motherland - Official trailer - Dogwoof

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DOK.fest: Preisverleihung 2016

Der "Horizonte"-Preis ging an den Film "A Maid for Each" von Maher Abi Samra.    
Zum Film: Erwachsene Kinder kaufen im Libanon ihren Eltern eine Hausangestellte, um das schlechte Gewissen zu entlasten. Junge Frauen aus Bangladesch oder Sri Lanka bieten ihre Dienste an und werden zur Ware. Zein ist Besitzer einer Agentur, die Dienstmädchen vermittelt. Die Kamera beobachtet die Gespräche in der Agentur, die Auswahl der Angestellten nach Alter und Religion, die üblichen Beschwerden. Die Dienstmädchen, die Opfer dieses Menschenhandels, bleiben unsichtbar.  

Aus der Jury-Begründung: "Auf beeindruckend filmische Art und Weise lässt uns der Regisseur in das internationale Geschäft mit Hausangestellten in Beirut eintauchen. Mit einer pragmatischen, geradlinigen und eleganten Filmsprache führt der Film die Grausamkeit dieses Systems vor, ohne die Opfer medial auszustellen. Die DOK.horizonte-Jury vergibt den Preis an den eindringlichen Film A MAID FOR EACH, der die Blicke der Öffentlichkeit auf die Existenz der Globalisierungsverlierer lenkt."

A MAID FOR EACH Excerpt - Icarus Films

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Außerdem erhielt der Film "Les Sauteurs" eine lobende Erwähnung der Jury.

Zum Film: Auf dem marokkanischen Berg Gurugu harren hunderte Migranten aus Subsahara-Afrika. Ihr Ziel: Sie wollen über den nahe gelegenen, riesigen Zaun in die spanische Enklave Melilla klettern. Immer wieder versuchen sie es, werden von der spanischen Polizei gestoppt und zurückgedrängt, manche verlieren ihr Leben. Abou Bakar Sidibé aus Mali lebt hier seit 14 Monaten. Er filmt sich und seine Umgebung und gibt seltene Einblicke in die Lebensrealität von Migranten an den Außengrenzen Europas.

Aus der Jury-Begründung: "Die Jury spricht die lobende Erwähnung für einen Film aus, der einen tiefen Einblick in das Leben afrikanischer Flüchtlinge gewährt – nicht von außen, sondern aus der Innenperspektive der Betroffenen. An der marokkanisch-spanischen Grenze festsitzend, fängt einer der Protagonisten mit der Kamera den alltäglichen Überlebenskampf, die Träume, Hoffnungen und Illusionen der jungen afrikanischen Migranten ein. Mal verzweifelt und desillusioniert, jedoch nie ohne Humor, ermöglicht uns diese innovative Art des Erzählens die völlige Identifikation mit den Protagonisten."