European Social Responsibility – Unternehmensethik und Europa

European Social Responsibility

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Veranstaltungsplakat

European Social Responsibility: Unter dieser Überschrift empfing der studentische Verein sneep bei der diesjährigen Frühjahrstagung in Passau seine Mitglieder aus ganz Deutschland und weitere Interessierte zu einem spannenden Vortrags- und Workshop-Programm. 

Francisco Marí von "Brot für die Welt" stellte in seinem Vortrag von über das „Economic Partnership Agreement zwischen Europa und Afrika“ zunächst die wirtschaftliche Lage Afrikas dar und ging danach auf die Geschichte von Zollunionen und Handelsorganisationen, darunter v.a. die WTO, ein. Auf dieser Grundlage diskutierte er die zahlreichen negativen Auswirkungen des Economic Partnership Agreements für afrikanische Länder. Durch das Freihandelsabkommen werde der Handel zwischen afrikanischen Ländern weiterhin vernachlässigt werden, da der Fokus auf dem Ausbau der Infrastruktur Richtung Europa gelegt werde und der Handel innerhalb des Kontinents dadurch nicht rentabel sei.  Außerdem würden billig importierte Produkte aus Europa lokale Alternativen verdrängen, was er am Beispiel von deutschem Joghurt in afrikanischen Supermärkten veranschaulichte.

Prof. Stefan Wurster von der TU München zeigte in seinem Vortrag „Kann Demokratie Nachhaltigkeit?“ auf, dass die Regierungsform der Demokratie gute Voraussetzungen für nachhaltiges Handeln biete: Sie gewährleiste einerseits stabile institutionelle Arrangements und lasse auch öffentliche Kontrollmechanismen zu. Anderseits werde in Demokratien meist eine Politik verfolgt, die hauptsächlich akute Probleme behandele und zukünftige Generationen nicht miteinbeziehe, da diese nicht wahlberechtigt seien. Dieses Argument belegte er empirisch am Beispiel der direkten Demokratie in der Schweiz. Dort stimmte das Parlament häufig nachhaltiger als die Bevölkerung in Volksabstimmungen ab. Er argumentierte, dass Demokratien nicht notwendigerweise nachhaltiger als Autokratien sein müssen. Dies zeige, dass die Demokratie Instrumente benötigt, die eine nachhaltige Politik fördern. Als solche nannte er zum Beispiel die Gesetzesfolgenabschätzung und marktorientierte Anreizmechanismen wie den Emissionshandel.

Am zweiten Tag der Frühjahrstagung befassten sich die Teilnehmenden mit der Thematik des Verantwortungsbegriffs und inwiefern dieser mit Hilfe einer EU-Richtlinie in der Praxis umgesetzt werden sollte. Dazu stellte Martin Priebe von der Unternehmensberatung Profit mit Moral zuerst die EU-Richtlinie 2014/95/EU vor. Diese schreibt seit April 2017 in Deutschland eine Informationspflicht zu nicht-finanziellen und die Diversität betreffenden Aspekten für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern vor. Anschließend gab er einen Überblick über den Verantwortungsbegriff in der philosophischen Literatur, indem er die Grundaussagen der einflussreichsten Vertreter zu diesem Thema zusammenfasste. Nachdem Priebe außerdem verdeutlicht hatte, dass verantwortungsvolles Handeln auf den vier Ebenen der Institutionsethik, Organisationsethik, Sozialethik und Individualethik vollzogen werden müsse, stellte er sein WAABE-Modell (Wissen, objektiver Anspruch, subjektiver Anspruch, Bewusstsein, Entscheidungsfreiheit) vor, welches die fünf Kriterien verantwortlichen Handels zusammenfasst. Priebe kam zu dem Schluss, dass Verantwortung eine EU-Richtlinie brauche, da die moderne Wirtschaft zu komplex und anonym sei, nachhaltiges Wirtschaften immer größere Zeiträume in der Zukunft berücksichtigen müsse und der Erhalt eines lebenswerten Planeten eine Gemeinschaftsaufgabe sei.

In einem Grundlagenworkshop zum Thema Wirtschaftsethik wurde ein Überblick über die wichtigsten Denkströmungen gegeben sowie Anreize zum sich selber Informieren und Einlesen. Dieser wurde ergänzt durch eine Case Study, die sich mit dem Problem der Kinderarbeit bei der Herstellung von Schokolade durch den Nestlé-Konzern befasste. Kleingruppen sollten sich jeweils in eine Befürworter- und eine Gegnerseite unterteilen und somit durch ein Rollenspiel in der Diskussion beide Positionen kennenlernen. 



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