Wahre Preise für gute Nahrung: Was sind uns unsere Lebensmittel wert?

Zum Thema "Wahre Preise für gute Nahrung: Was sind uns unsere Lebensmittel wert?" diskutierten wir mit unseren Teilnehmer*innen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Lesedauer: 4 Minuten
Titelbild Forum Nachhaltigkeit 2022

Wie in den letzten Jahren findet auch 2022 das Forum Nachhaltigkeit in Kooperation mit der Neumarkter Lammsbräu statt.

Neumarkter Lammsbräu Forum Nachhaltigkeit 2022: Was sind uns unsere Lebensmittel wert? - Neumarkter Lammsbräu

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Mit:

Johannes Ehrnsperger


Die Devise "Fair zum Bauern" hat die Neumarkter Lammsbräu bereits vor mehr als drei Jahrzehnten ausgelobt. Für gute Rohstoffe war die Bio-Brauerei stets bereit, gute Preise zu bezahlen. Auf diese Weise haben die Öko-Betriebe langfristig eine Perspektive, wovon wiederum die Neumarkter Lammsbräu profitiert, denn das gibt Sicherheit im Hinblick auf die Versorgung mit Braugerste, Hopfen und Co. Dennoch sind bisher nur wenige dem Beispiel des Bio-Pioniers gefolgt. Warum zögern so viele Hersteller? Welche Risiken nimmt die Neumarkter Lammsbräu freiwillig auf sich? Und warum ist die Förderung der ökologischen Landwirtschaft so wichtig? Darüber spricht Johannes Ehrnsperger beim Forum Nachhaltigkeit.



Prof. Dr. Tobias Gaugler

Was kosten unsere Lebensmittel wirklich?  Dieser Frage ist Tobias Gaugler mit seinem Team nachgegangen. Denn der Ladenpreis ist nicht der wahre Preis, weil er die Folgekosten, die bei der Produktion entstehen, außer Acht lässt. Dafür müssen wir am Ende alle aufkommen. Tobias Gaugler berechnete unter anderem für Penny die externen Kosten handelsüblicher Lebensmittel. Sein Fazit: „Für viele negative Klima-, Umwelt- und Gesundheitsfolgen, die sich aus der Produktion von Lebensmitteln ergeben, kommen aktuell weder die Landwirtschaft noch die Konsumenten auf. Hier handelt es sich um eine Form von Marktversagen, dem mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen begegnet werden müsste." Insbesondere Produkte aus konventioneller Nutztierhaltung müssten deutlich mehr kosten, als dies aktuell der Fall ist.



Christian Hiß

Wie kommt es, dass falsch gerechnet wird und in der Folge Preise entstehen, die nicht im Geringsten die ökonomische Wahrheit abbilden? Diese Frage hat Christian Hiß nicht  mehr losgelassen. Er gründete die Regionalwert AG, die sich unter anderem für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln stark macht. In seinem Buch "Richtig rechnen" schreibt Christian Hiß über die Unvollständigkeit der betrieblichen Finanzbuchhaltung. Sie übersehe wesentliche Investitionen in das Natur- und Sozialkapital. Eine Bilanz sei erst dann wirklich aussagekräftig, wenn sie die gesamte ökonomische Realität wiedergebe. Zuletzt startete die Regionalwert Leistungen 2022 zusammen mit der Neumarkter Lammsbräu ein Pilotprojekt, bei dem der Wert der Gemeinwohl-Leistungen von Bio-Bauern berechnet wurde.



Hanna Kehl

Steigende Energie-Preise, Inflation und Unsicherheit - das Konsumklima in Deutschland verschlechtert sich. Einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts GfK zufolge hat der Konsumklima-Index im Juni ein historisches Tief erreicht. Das macht sich auch bei den Lebensmitteln bemerkbar. Der GfK-Consumer Index belegt, dass die Konsumenten weniger zu Fleisch und Wurst greifen, aber auch an Obst und Gemüse wird beispielsweise gespart.  Hanna Kehl ist GfK-Expertin für Verbraucherverhalten. „Wir sehen, dass zu günstigeren Produkten gegriffen wird“, sagt sie. Rabatt-Angebote werden ebenso interessanter wie Discounter. Bei Urlaubsreisen hingegen ist kein Einbruch zu verzeichnen, im Gegenteil. Eine Frage der Prioritäten? Was sind uns gute Lebensmittel eigentlich wert? Und ist jetzt überhaupt die passende Zeit, um über reale Preise für Nahrung zu sprechen? Auf diese und andere Fragen suchen wir bei unserem Forum Nachhaltigkeit  Antworten.



Karl Stephan

Als Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe (EZÖB) kennt Karl Stephan aus der Jahrzehnte langen Kooperation mit der Neumarkter Lammsbräu faire Preise und langfristige Verträge. Die Realität sieht jedoch meist anders aus. Weder finanziell noch anderweitig wird aus Sicht von Karl Stephan die Leistung von Öko-Betrieben für Natur und Gesellschaft ausreichend gewürdigt. "Das Argument, wir machen mehr als nur Lebensmittel, wird uns leider oft noch nicht abgenommen", sagt er. Die Umwelt-Leistungen von Bio-Höfen könnten seiner Meinung nach z.B. steuerlich berücksichtigt werden. Karl Stephan war einer von rund 20 EZÖB-Landwirten, die sich am Pilotprojekt der Neumarkter Lammsbräu in Kooperation mit der Regionalwert Leistungen beteiligt hatten. Dabei wurde der Wert seiner Gemeinwohl-Leistungen in Euro errechnet.